Man findet sich, über regelmässige Schlaglöcher und Katastrophen (das grösste Leid einer Zeit ist immer das grösste Leid der Zeit - seien es Lappalien), je länger je mehr in jenem Leben, „wie es zu sein hat“, und versucht sich dann, beruhigt und gelangweilt, ab und zu im Meistern der glorreichen Gedankensalbung, dass dies alles richtig so ist, weil – man blick ein bisschen sehnsüchtig in die Vergangenheit – sich doch bestimmt nicht allzuviel verändert hat, man das Wichtige aber nicht nur erkannt, sondern auch fest im Griff hat. So denkt der Kranke, nachdem er sich bereits eine verdächtig lange Zeit gesund gefühlt hat. Die Verwässerung, gar die Zerstörung gewisser Erlebnisse und ihrer Folgen, die wir von der Zeit, der guten, erwarten, geschieht höchstens in Form eines neuen Anstrichs. Man mag die Kindheitswatschen Mitte Zwanzig aus dem Hirn gesoffen, vor die erste eigene Wohnung geschoben, unter selbstverdiente Geldmatratzen versteckt, in selbstgebaute Hirngespinste verpackt - vergessen, verkraftet und vergeben haben, aber der Mensch der darunter leidet, findet sich ein, zwei harte Schläge entfernt, unter der Oberfläche, in einem älteren Anstrich – ebenso der Mensch der kein Leiden kannte, nur das kleine neue wunderliche kindstrunkene Leben. Wir sind so gute Hüllen, wir Menschen mit unseren brillianten Körpern.
Friday, January 15, 2010
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