Thursday, September 16, 2010

16.9.2010, Berlin

Im Beutel ohne Luft,

behält die Zwiebel ihren Duft.

Dort kocht sie ihr eigener Saft,

Hahnenwasser nähm’ ihr bloss die Kraft.


Die Zwiebel ist ein Hüllentier,

ein eitles Gemüse, so wie wir.

Woran liegt es denn nur, das wir so fad schmecken?

Sollte man uns vielleicht auch in Vakuumbeutel stecken?


Meine Freunde sind jung wie ich

und tummeln sich meistens ohne mich.

Während ihre inneren Schalen sterben,

können sie gemeinsam grösser werden.


Dann spinnen sie Fäden an denen Haken hängen

und lernen immer wieder neue Menschen kennen.

Und weil sich dabei alle in die Quere kommen, entsteht ein Netz -

so krabbelt entlang schleimiger Fäden das Gesamtkunstwerk des Jetzt.


Hier ist das Erbarmungslose für uns Menschen dieser tollen Zeit:

In der Sintflut verliert jeder einen Teil von seinem eignen Geist.

Ist es nicht so, dass die Welt zwar in die Erde fällt,

der Wurm in der Wolke aber eine Professur erhält?


Unter Leuten beginnen meine Gedanken zu verkleben

Es fällt mir schwer dabei noch mich selbst zu sehen.

Im Bett hingegen träum’ ich mich mit anderen sitzen,

um einen runden Tisch, gespannt mit Geistesblitzen:


Würden wir die Dämonen wenigstens verkaften.

könnten wir mehr unsres rechten Glückes pachten!

Denn mit ihren Angriffen auf unsere Intelligenz,

schenkt uns schlechte Gesellschaft Lebenseffizienz!


Nun frage ich mich, ob es weiser macht,

das mit der Zwiebel und ihrem Saft.

Denn wer in sich selbst kocht wird weichlich und stirbt

abseits der Gesellschaft, die sich derweil von selbst verdirbt.

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