Links die Bahngeleise, fünf Stockwerke weiter unten. Die Züge hört man durch die dicke Verglasung kaum, was die Autoren hier sicherlich schon auf die Magnetbahn brachte, die sich nun rot durch ihren Text zieht.
Vor mir ein Dutzend Schreibtische, hinter mir auch. Jeder eins, zwei oder drei Becken breit und im Boden verankert. Das sind nun tatsächliche Arbeitsplätze, oder Stellen, freier als in jeder Firma, aber dafür akademisch belastet - für jeden sogar ähnlich, wie für Studenten ohnehin. Wer seine Arbeit statt irgendwo, irgendwo anders tut, zum Beispiel eben in der Universitätsbibliothek, kommt offenbar nicht unbemerkt davon. Die Ruhe und die Konzentration mit der uns ein Ort befliesst trägt Sediment. Körniges kommt mit. Niemand der nicht hirnlos ist, kann dem Mantel den die Welt fortwährend um uns legt entschlüpfen. Um so weniger der Künstler.
Zunächst bot sich mir dieses Tischlein als Enklave an, in der ich endlich alles darf. Luftschlösser bauen, vor allem, wie alle anderen. Ich sitze und schaue. Ich denke und ich arbeite. So füllt sich die Freiheit, bis sie weg ist. An dieser Stelle wird die Stelle durch den Menschen ersetzt, er hat sich mit seinem Geist umgeben und beginnt darin zu treiben. Das ist die ideale Verfassung eines Arbeiters: Ein Körper auf geistigem Luftkissen: Schnell und agil, mit selbsterneuerndem Gas. In der Firma übernimmt ein anderer das Ruder. Andere dürfen selbst.
Rechts von mir die Bücherreihen, die eigentliche Bibliothek. Sie schluckt die Geräusche. Tatsächlich, ich huste, und sie nimmt es mir weg. Ich habe begonnen Bücher auch zu hassen. Die Objekte, wie Ameisen, so wie die Literatur. Tausende feindlicher Invasionen für Leser und Schreiber. Und feinster Ausdruck des Schwachsinns und der Selbstverliebtheit guter Menschen. Ich wünschte die Literatur wäre unmenschlicher. Es schimmern immer die feuchten Lippen, das dumme Gesicht oder die Arroganz des Schriftstellers durch den Text, wenn nicht alle drei, immer mindestens eines davon. An ihm haftet zudem nicht nur der Dreck eines Menschen, sondern auch der seiner verrückter Eltern und Grosseltern. Buchhandlungen sind ein Spiegel für den aktuellen Stand der Katastrophe, die die Welt seit dem Menschen befallen hat. Und Bibliotheken sind die Archive dafür. Man muss zur Fliege werden, in jeder Hinsicht. Klein, fein, im Dreck, aber nicht dreckig.
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