Thursday, December 23, 2010

23.12.2010, Gachnang

Wer ins Netz starrt, wer unter Leuten ist, die ins Netz starren, wer nur schon regelmässig seine Zeitungen, Magazine und Sendungen liest und hört, der weiss, es gibt kein Nachkommen mehr, es helfen nur Filter, Archive und schliesslich Vergessen. Und wer dieser Tage aufmerksam sein will, dem stösst zusammen mit den Informationen immer auch das dazugehörende Fragepaar zu. Lasse ich mich darauf ein? Was mache ich damit? Gesichtete Informationen, ob freiwillig oder nicht, verlangen eine Reaktion auf ihre Anwesenheit - also auch von dem, der sich ihrer nur entledigen will, nichts anderes als eine Tate, eine Anstrengung. Das Gehüpfe meiner Gesellschaft ist bestens verständlich. Das Plappermaul, das die Welt befallen hat, kommt in der Gestalt eines irr gewordenen Robin Hoods daher, der jede Information über die er stolpert aufhebt und an die Reichen, aber auch an die Armen und an die Toten verschenkt, die dann alle aus ihren Palästen und Gassen und Gräbern kriechen, um sich irgendwie damit zu befassen. Und so wie sie aus ihren Palästen und Gassen und Gräber kriechen, schliesst der Wind manchmal eine Tür hinter ihnen und dann kommen Könige nicht umher in Hütten zu ziehen, Schlucker in Paläste und manch ein Toter in ein neues Leben. Und so wie sich vor unserer Augen diese Wunder abspielen, befeuchten sie unseren vertrockneten Glauben mit dem heiligen Wasser des Fortschritts. Und so wie unser jeder Fortschritt, ist auch dieser einer hin zu einer Art von Gott. Bis vor seine Füsse, bis unsere Lippen sie berühren, und wir ins Leere küssen. Meine Gesellschaft tanzt also im elektrischen Licht des heilbringenden Seelenlosen voran, öffnet die Augen, die Ohren, den Mund, die Nase, den Hintern und lässt, was entgegen strahlt, eintreten - hemmungslos, aber nein, nicht ohne es dann zu bewerten, nicht ohne daraus Schlüsse zu ziehen, nicht ohne deswegen nicht über das Geistige hinaus Tätig zu werden und nein, auch nicht ohne dabei wie Fahnen im Orkan zu flattern und sich dabei an den Enden aufzulösen.
Und die öden Heiden, die sich zusammenrollen wie Igel?
Die haben damit zu kämpfen, dass wenn sie ihre Körper mit jeder einschlagenden Information erneut im Willen sie abzuwehren anspannen müssen, sie auch jene Brocken abwehren, die ihnen lieb und glänzend scheinen, und so wie sie sich denen dann reuevoll ein Spalt weit öffnen, werden sie sofort gesteinigt. Wie die Fahne darin flattert, so rollt der aufgerollte Igel vor dem Wind hin und während er sein Gesicht in seinen Bauch drückt, malt sein Kopf sich aus, was ausserhalb von ihm passiert. So unterscheidet sie wie die Sehenden von den Blinden der Luxus durch bereitgestellte Bilder mit der Welt in Kontakt zu treten, anstatt mit hausgemachten. Aber wir wissen es doch, wollen es uns aber nicht ansehen lassen: Nur was die Besten zu Hause machen, schmeckt wirklich gut. Andererseits würgt man ja auch gerne im Auftrag der heiteren Dogmen.
Aber was nun? Was ist zu tun?
Wenn meine Gesellschaft eine Hure ist, dann will ich ein Kastrate sein und wenn sie dennoch kommt, die Perverse, und ich mich ihr dennoch verweigere, dann soll dies kein Ende sein, im Gegenteil, eine Tat muss es sein: Es ist der Gang in den Keller. Und wo keiner ist, da wird gegraben. So stösst man vielleicht auf Kumpel.

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