Der Unfall beginnt mit einem Gefühl. Über das Gefühl fällt ein Gedanke. Darüber fällt ein Wort. Und über dieses Wort fallen weitere Worte und jedes Wort, das fällt, verunfallt. So wird aus dem Leben plötzlich eine Massenkarambolage, ein Text. Und im Text versuche ich den Schaden, den er verursacht, einzuschränken. Ich versuche dabei das Beste daraus zu machen. Ich suche schliesslich ein letztes Wort, ein Ende dafür. So wird aus dem Text eine Bibel und wenn ich sie lese, versuche ich nach ihr zu leben, versuche ein anständiger, guter Mensch zu sein (in den Augen des Textes und der Texter und der verdammten Kritiker). So wird aus dem Text ein Leben. So wird aus einer Geschichte ein Glaube. So verändert sich mein Leben seit ich schreibe was ich denke dass ich schreibe was ich glaube ist was ich schreibe das mein Leben sich seither verändert es sich auf die merkwürdigste Art und Weise.
Aber was ist das für ein Gefühl, über das dieser Gedanke fällt? Es ist eine Art Sprachlosigkeit die mich immer schwerer befällt, je länger ich schreibe. Dies war eine Hürde die ich gesprungen bin, aus Not dem mich jagenden zu entkommen. Da stand ich einfach still und liess es mich einholen, mich überfallen, fressen. Aber da kam nichts. Da verschlug es mir die Sprache, und mit der Sprache verschlug es den mich Jagenden, die Not und auch die Hürde. Jetzt springe ich auch ohne sie. Es braucht kein Entsetzen mehr, und keine Euphorie, um mir die Sprache zu nehmen. Die Fähigkeit dazu, verleitet mich dazu. Sobald es darum geht, etwas zu sagen, lauter - Nichts. Und wenn dies eine Auslösung wäre, wäre ich erlöst. Aber dann kommt der Gedanke, der das Fehlen der Worte feststellt, und beginnt darüber, oder darum herum, daher zu sprechen. Irgendwas zu sprechen, zu schreiben. Was auch immer den Raum füllt und klingt und Ordnung macht. Und diese heiklen Erfindungen liegen dann wie Öl auf dieser Strasse. Und dann sind da schnelle Fahrzeuge und vielleicht sogar Figuren. Eine falsche Bewegung (Die Hände an die Tasten). Ein falsches Wort (“Unfall”). Ein dummer Gedanke (Es so furchtbar Ernst zu nehmen). Und die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Niemand überlebt. Aber es lebte auch nie jemand. Die Knochen der Körper der verunfallten Worte reibt der Teer zu Staub und die langen Streifen von Blut füllen mit der Zeit den Raum zwischen den Weissen Linien der Strasse und die Einzelteile der Wagen häufen sich zu künstlichen Moränen, die die leicht geschundene Natur am Strassenrand leicht wieder einnimmt. Was ist hier passiert? Wer weiss. Vielleicht eine Naturkatastrophe. Vielleicht ein Unfall, menschliches Versagen. Niemand hier, der es sah. Es ist nur Text. Jetzt ist er da. Kam von hier, kam von dort, wie der Wind, nach unergründlichem Prinzip. Eigentlich: darüber gibt es nichts zu sagen. Aber: darunter.
Damit von selbst davon abzukommen, verbrachte ich die letzten Monate (Jahre) als0 auf dieser viel-befahrenen Strecke (Nächste Ausfahrt: Hildesheim).
2 comments:
Unfall weil missglueckt? Ich finde nichts missgluecktes daran. Ich finde mich darin wieder.
abgefahren...
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