Wednesday, July 13, 2011
11. Juli 2011, Berlin
Thursday, December 23, 2010
23.12.2010, Gachnang
Wednesday, October 20, 2010
20.10.2010, Berlin
Es stimmt schon, wir sind die Huren der Gewohnheit und auch der Revoluzzer kann es nicht anders haben. Was neu ist, fühlt sich anders an. Und bevor es überhaupt soweit ist, muss man sich überstürzen lassen, und das fühlt sich auch für den, der nichts als das will, wie Überstürzung an. Wenn ein langjähriger Gefangener frei kommt, könnte er hiervon eine Geschichte erzählen, von der er weiss, dass er sie besser für sich behält. Auch der Pyromane könnte davon berichten, wie oft er das Zündholz viel zu früh von der Lunte zieht und rennt, aus Ehrfurcht vor der ersehnten Feuersbrunst, die er dann doch nur als Blindgänger in der Erde stecken lässt. Überwindungen melden sich nämlich von selbst an. Dabei werben sie nicht damit, dass sie verschütten, und, dass darauf Neues wachsen kann, sondern mit der reinen Gewalt, die dies überhaupt möglich macht. Was wir und unsere feinfühligen Hunde dann in der Oktoberluft riechen, ist kein Geisterbote sondern unsre gute Erfahrung. Sie weiss, lange bevor wir uns an die Arbeit machen, um die Energie der ein jeder Umbruch bedarf, sei es ein Schritt, sei es ein Sprung, oder eine grosse neue Idee, die es, so wie sie sich unserer Leidenschaft aufbindet, gleich umzusetzen gilt. Ja, der Wille ist der Weg, aber nur an gerade an sie Sache heran. Dann, wenn man in Erwartung der Kaventsmänner im Boote sitzt, muss man sie erst einmal über sich hereinbrechen lassen. Und dies braucht Mut, und der Mut ist eben an den Glauben gebunden, und der Glaube schwebt eben nur in der Luft, und in der Luft fliegt eben allerlei, so stürzt man bald in den Boden, und dann weiss man, woran man ist, und das ist allemal nicht viel. Deshalb lassen wir uns vom Strande reissen, lassen uns eines besseren belehren, ersparen unserem Eigensinn zu scheitern, und ermöglichen, ganz aus Versehen, die praktische Gemeinschaft. Darin findet das Lebens statt, auch das des fantastischen Wirbelwinds, der es mit Ignoranz statt Wiederhaken, zu einer attraktiven Geschwindigkeit bringt. Aber die erstrebenswerten Exzesse finden in längst abgesteckten Feldern statt; die Karriere zum Beispiel, der Reichtum, das Glück, oder die Kunst. Zu den Dingen nach denen wir ein Leben lang streben, sind die wenigen möglichen Wege vorgegeben. Setzen wir uns aber einmal hin um zu verschnaufen, oder kehren wir sogar um, sind dem Leid und der Armut keine Grenzen gesetzt, denn mit diesen Dingen befasst man sich nicht, und wenn man es tut, dann von oben herab, oder so, das man kurz darauf daran stirbt.
So liegt man nur im Bett und träumt von einer besseren Welt. So liegt man nur im Bett und erzählt sich, wie man es gerne gehabt hätte. So liegt man nur im Bett und stellt sich vor, wie man es gerne für alle hätte. So liegt man nur im Bett und fragt sich wer man ist, aber wenn man sich selbst ist, liegt man nur im Bett.
Thursday, September 30, 2010
22.9.2010, Berlin
Versucht die Verwirrung mit ihren flatternden Papierbändern die Tinte im Wind zu fangen, so kommen allerlei Fragen auf ihre offenen Enden zu stehen. Wie ihr dabei das Feuer über den Irrweg läuft, fragt sie es also: Womit soll ich mein Leben verbringen? Dann brennt die Verwirrung schon an, und glimmt langsam bis zum Kern, ascht seine Zappelglieder langsam nieder; zuerst die Haare, ganz schnell, dann brennt die Haut lichterloh wie ein Docht im Fett des Fleisches, dann knistern die Knochen, langsam glimmen und verkohlen sie, dann verschwinden die letzten Stümpfe, und erst kurz bevor das kugelrunde Herz verbrennt, herrscht Klarheit über das, was Leiden schafft und dann löst sich die Verwirrung auf.
Es ist zu spät für ein naives Leben. Die Fragen sind gestellt, die Eskorte zum Tod bestellt.
Der erste Grund des Wollens ist früh abgebrochen wie ein Korken, und steckt jetzt noch, zusammen mit dem Universum, in der grossen Flasche. Mit dem Wollen kommt die Tat, sie ist der zweite Grund. Mit ihr erst fängt das Leben an, und jede Leidenschaft.
Ich lese seit ich denken kann. Seit diesem beweglichen Zeitpunkt, der den Grenzmoment meiner schwindenden Erinnerung begleitet. Einige Jahre und viele Bücher waren es trotzdem. Dieses Lesen folgte schon anfangs primitiven geistigen Prägungen, nichts edlem. Zum Beispiel meinem romantischen Aberglauben und meiner Mystik-Lust. Sicherlich lese ich nicht, weil es Spass oder Wissen macht, ich es deshalb will, auch nicht weil ich immer wieder dazu geheissen wurde, ich es deshalb muss - zunächst lag das Buch einfach in der Hand, dann machte es jenen Eindruck auf mich, auf den ich mich mit ihm einliess.
Zunächst lagen die Bücher also in der Hand. Ich schlug sie dann auch meistens auf und las. Ich las abergläubig bis zum Ende, pausenlos und leidend, um nicht auch diese Welten immer wieder in Scherben zu sehen und ich las pausenlos und leidend um die Geschichte des Judentums in den Worten Chananja’s, meines Kammeraden von nebenan, nicht noch einmal, nicht noch einmal, hören zu müssen, und ich las pausenlos und leidend weil mich die Schläge der Titel und der Einbande der Bücher dazu zwangen; Ich hätte sonst jede ungelesene Seite selbst erfinden müssen. Lesen statt schreiben. Später muss man dann auch mal schreiben, anstatt zu lesen. Weil sich die vielen Sätze nach all den Jahren im Kopf von den Seiten der armen Autoren gelöst haben, sich zersetzen, versammeln und beginnen sich als andere Geschichten aufzudrängen, - auch so kann man Autor werden: Als kupfernes Überdruckventil der geistigen Bibliothek. Dann sitzt man vor den Tasten und sucht ein Becken.
Aber ich schreibe nicht.
Auch zuviel Musik gehört - also Schriftsteller geworden. Musiker und Schriftsteller sind trotz der kalten Fremde in ihrer gegenseitigen Bewunderung fast gleich, was erklärt warum sie sich sehr seltenen in einer Person treffen. Der Maler fängt auch nicht an zu malen, nachdem er schon längst Maler ist!
Aber ich schreibe nicht.
Und das Lesen vergeht mir. Alles ist noch zu lesen und alles ist noch zu schreiben - es ist nicht zu bewältigen. Was derweil bewältigt wird sind die Eitelkeiten und der Schwachsinn, dies wird verkunstet und zum Mantel gemacht, in dem man lächerlich aussieht. Jeder neue Text ergänzt die schwarze Liste der reinen Gedanken die von Hunden aufgegriffen und von Hundefängern herausgegeben nun wieder gut zu machen sind, vom Autor, vom Leser und vom Betrieb der die verbindet, zu reinigen sind.
Wer, wenn nicht wir, soll denn diese reinen Texte schreiben, die uns das Texten immer wieder institutionalisieren lässt? Wer schreibt die Texte aus denen die Idee der Literatur besteht und nicht ihr Morast, die Texte, die uns nach alter Manier glauben lassen und Hoffnung schenken? Wer hat diese Texte je geschrieben? Der Autor nicht; er war es sicher nicht. Wenn Autoren hinter Texten stehen, was sie fast immer tun, sieht man sie am Rande ihrer Texte stehen, in der rechten Ecke der Seite rechts, unten. Dort sieht man sie auf ihren Seitenzahlen balancierend winken und an ihren Einstecktüchern fummeln. Das lenkt furchtbar ab.
Man sollte seinem Buch niemals Seitenzahlen geben, dann erübrigt sich auch der Balanceakt des eitlen Autorenfigürchens, es fällt nämlich in den Abgrund. Und der muss tief genug sein, damit es möglichst zerschellt, wenn es unten ankommt. Der Autor hat keine Rolle in der Literatur, er soll sie nicht haben! Die Frage stellt sich nach dem Menschen, und danach ob er etwas zu schrieben hat. Ein Mensch der etwas zu sagen hat genügt nicht. Wer etwas zu sagen hat, soll es einfach sagen. Wer etwas zu schreiben hat, der kann schreiben.
Ich sage nicht viel. Und schreiben tu ich nicht!
Die Person die ich bin, ihr verwirrtes Streben nach anderen Versionen, ist vor mir ein Abbild aller Anderen zusammen. Die beliebige Fensterscheibe die man einmal war, bekam mit dem metallischen Hauch der vielen die daran klebten, die ausgestellte Waren dahinter begehrten, einen spiegelhaften Glanz. So sieht jeder im anderen was er sehen will, meistens sich selbst - Und man selbst in sich selbst, alle anderen. Was habe ich getan um so zu sein wie ich bin, heisst also: Wer ist denn ich, um mich zu mir zu machen? Heute mehr den je, jene die uns in jedem Moment anschauen. Die Publikumshorden; ein chaotischer, gesellschaftlicher Kreis. Also gibt jetzt keine einfachen komplexe Personen mehr. Der Einzelne verliert seine Komplexität im Spiegelsaal, rutsch dafür aber in die Vielzahl. Dass wir einen einzigen Körper haben, beginnt nun neben der geistigen Krankheit zum Dilemma für den modernen Menschen zu werden. Jeder von uns kann wie ein Scherenschnitt auseinander gezogen werden und sich zu einer Gesellschaft entfalten, die so breit ist wie jene die ihn gefunden und der er sich ergeben hat. Fachmann, Trottel und auch Mutter und Vater wären dabei, jeder als Geist einer alten Zeit, flach, “superflat”, dafür in grosser Anzahl. Jeder hat es in sich jeder zu sein, und nicht nur der Bauernsohn, der Krüppel oder der Mörder, als der einer geboren ist.
Aber auf wen in sich, beruft man sich, in der Stunde der Not? Aus wem in mir ziehe ich den Text der zu schreiben ist, wenn der an den Tasten nur ein Sekretär, ein Dummkopf ist? Aus dem Schriftsteller der sich an mir spiegelt? Aus dem Unternehmer der sich an mir Spiegelt? Aus dem Handwerker, der sich an mir spiegelt? Aus dem Autoverkäufer, dem Kellner, dem Buchhänder, aus allen lieben Freunden, die sich alle an mir spiegeln? Was für ein Monster es wird, wenn einer einen Stein in seine Scheibe wirft, wie sich in den Fragmenten die Augen der Anderen als Facettenaugen und ihre Arme als Tentakel verspiegeln werden ...
Aber ich beschreibe das nicht.
Um aus seiner Vielzahl wieder einen Mensch zu machen, müssen die vielen flachen Abbilder aufeinander gelegt werden bis sie Umfang ergeben. So dicht aneinander sind dann der Autor der man ist, der Schreiner und der Koch der man auch ist, der Muttersohn, der Vatermöder und die Schwuchtel die man genauso ist, nicht mehr als einzelne zu erkennen, kehren als die Geister, die sie alle sind, zurück in die Flasche des Ichs. Das passiert automatisch jede Nacht im Schlaf. Deshalb eignen sich die ersten paar Stunden nach dem Erwachen gut zur Eigeneichung. Im Laufe des Tages purzeln wir während des Gefechts in unsere eingebeizten Einzelteile auseinander, abends sind wir ein Kongress von Kapitalisten. Ruchlos schlagen sie einander nieder um mächtig zu sein. Diesen Figuren darf man es nicht erlauben unsere Bücher für uns schreiben, ganz zuletzt dem Autor, er eignet sich überhaupt nicht.
So schreibe ich nicht. Ich schreibe also nicht. Deswegen schreibe ich nicht. Schreiben soll ich nicht. Ich schreibe also nicht. Also schreibe ich nicht.
Ich schreibe nicht.
Ich schreibe nicht.
Ich schreibe nicht.
Thursday, September 16, 2010
16.9.2010, Berlin
Im Beutel ohne Luft,
behält die Zwiebel ihren Duft.
Dort kocht sie ihr eigener Saft,
Hahnenwasser nähm’ ihr bloss die Kraft.
Die Zwiebel ist ein Hüllentier,
ein eitles Gemüse, so wie wir.
Woran liegt es denn nur, das wir so fad schmecken?
Sollte man uns vielleicht auch in Vakuumbeutel stecken?
Meine Freunde sind jung wie ich
und tummeln sich meistens ohne mich.
Während ihre inneren Schalen sterben,
können sie gemeinsam grösser werden.
Dann spinnen sie Fäden an denen Haken hängen
und lernen immer wieder neue Menschen kennen.
Und weil sich dabei alle in die Quere kommen, entsteht ein Netz -
so krabbelt entlang schleimiger Fäden das Gesamtkunstwerk des Jetzt.
Hier ist das Erbarmungslose für uns Menschen dieser tollen Zeit:
In der Sintflut verliert jeder einen Teil von seinem eignen Geist.
Ist es nicht so, dass die Welt zwar in die Erde fällt,
der Wurm in der Wolke aber eine Professur erhält?
Unter Leuten beginnen meine Gedanken zu verkleben
Es fällt mir schwer dabei noch mich selbst zu sehen.
Im Bett hingegen träum’ ich mich mit anderen sitzen,
um einen runden Tisch, gespannt mit Geistesblitzen:
Würden wir die Dämonen wenigstens verkaften.
könnten wir mehr unsres rechten Glückes pachten!
Denn mit ihren Angriffen auf unsere Intelligenz,
schenkt uns schlechte Gesellschaft Lebenseffizienz!
Nun frage ich mich, ob es weiser macht,
das mit der Zwiebel und ihrem Saft.
Denn wer in sich selbst kocht wird weichlich und stirbt
abseits der Gesellschaft, die sich derweil von selbst verdirbt.
Thursday, September 09, 2010
9.9.2010, Berlin
Der Schauspieler als Mensch und das Schauspiel des Menschen.
Man tut und überlebt und geht seines Weges bis man geht. Man tut, man wird dabei gesichtet und für den Wert des darin erkannten von vielen beurteilt, und von einigen bezahlt. Tun und Publikum sind in jedem Leben vorhanden. Sie kommen im Doppelpack, sind voneinander abhängig und ergeben zusammen den Menschen, der im Grunde Schauspieler ist. In Folge ist der Schauspieler ein ganz besonderer Mensch, ein doppeltes Lottchen nämlich.
Das Tun sei eine Folge der Persönlichkeit, heisst es, es sei die Reaktion auf ein kompliziertes Hin und Her von Innenwelt und Aussenwelt. Warum auch nicht? Aber warum sollte man, wenn im eigenen Leben die Karten so oft von fremder Hand gemischt werden, von einem Leben mit einem Charakter sprechen, und warum sollte man dabei hoffen, sich selbst und seine Freunde jemals gut zu kennen?
Wir mögen während unseres Lebens einen Körper und einen Namen und die eigensten Marotten haben, aber schon passiert etwas unvorhergesehenes und unser Verhalten ist nicht mehr wieder zu erkennen. Das wir zu dieser Abweichung fähig sind, steht im Dienste unseres Lebens, gleichsam ist es der Hinweis darauf, das wir eben keine unbeweglichen Originale, sondern Schauspieler sind - Menschen, die nach Rollen leben, und, auch wenn die eine eine Liebste ist, in der Not zur Andern wechseln oder improvisieren können. Daran ist nichts peinlich. Man geht zwar spielend, aber immerhin sich selbst spielend, des Weges. Derart ist der Ernst des Lebens.
Das Zusammenspiel von Innenwelt und Aussenwelt, das ist der innere Antrieb, der in der Mitte unseres Herzens liegt und uns fortwährend das Buch nach dem wir handeln schreibt, während wir, am Rande des Herzens danach spielen und uns gleichzeitig, auf dessen Oberfläche, zurücklehnen und beurteilen. Es sind zwei zweiseitige Beziehungen in uns. Eine zwischen dem Autor und dem Schauspieler, eine zwischen dem Schauspieler und dem inneren Publikum, aber niemals, vielleicht erst wenn das Herz aufhört zu schlagen, wird der Autor dem inneren Publikum bekannt gemacht. Das Theater und seine Dreifaltigkeit nimmt auseinander und institutionalisiert, was schon in jedem Einzelnen vereint ist und ihn zum perpetuum mobile macht. Dabei kommt es darauf an, worin es sich bewegt. Das Wasser welches über die Schaufelräder unseres mobile gefallen, sie durch selbstüberwindende Steigkanäle abermals erreicht, färbt sich mit der Zeit, und je nach dem wohin wir treiben anders.
Ein Schauspieler ohne äusseres Publikum, oder ein Mensch ohne sein inneres, wäre, da er so zu keiner Iteration genötigt würde, der originellste Mensch - ein “Mensch an sich”. Um sich einen solchen vorzustellen, müssten wir in unsere Tiefe gehen. Wer ist dieser schwarze Klumpen der wir sind? Er ist nie ganz zu erkennen, denn er veräussert nur. So wie die Sonne strahlt und blendet, sehen wir nie in ihren Kern. Dies ist nicht abzulegen, da der Schauspieler, der wir nun einmal sind, mit seinem eigenen Publikum ausgestattet, und zur ewigen Sichtung seiner selbst gezwungen ist. Womit wir es zu tun haben, sind nicht herzuleitenden Ableitungen des Originals - immerhin. Selbstreflexion, so wie wir es verstehen wollen, gibt es also nicht, höchstens Nachdenken. Und darin ist ein vages Kennenlernen möglich. Als kritische Betrachter der Rollen die man entwickelt, werden uns Rückschlüsse erlaubt, welche die Umrisse des Selbst schemenhaft erkennen lassen. Dabei kann uns gefallen was wir sehen, oder eben nicht. Wir werfen Rosen auf die Bühne, oder Eier, schreien, weinen, lachen und nässen, so umschmeicheln oder geisseln wir den verborgenen Schauspieler und den unsichtbaren Autor - in dieser Weise schrauben wir an unserem Glücklichsein, indem die Beziehung zwischen diesen Teilen von uns, immer eine tätige ist. Zuerst all dies, erst an zweiter Stelle kommen unsere Freunde, unsere Zuhörer und Mitspieler als Publikum der Aussenwelt ins Spiel, dafür haben sie im Gegensatz zum Inneren Publikum, einen direkteren Draht zu unserm Innersten, was daran liegt, das jeder nur sich selbst eine so blendende Sonne ist, aber nicht den anderen.
Beim Schauspieler ist beides doppelt vorhanden, sowohl das Schauspiel, als auch das Publikum. Von den Kunstformen hat keine das Leben derart gedoppelt, wie das Theater, und indessen auch der Film. Nicht jeder schriebt, nicht jeder liest, nicht jeder malt, und wenige denken, zumindest nicht auf die institutionalisierte Weise, welche die Kunst, sobald das Wort gesprochen ist, dem Künstler, oder dem Philosophen, auferlegt. Ob Künstler oder nicht, jeder lebt und spielt, ob Schauspieler oder nicht. Also ist das Theater die unmittelbarste der vielen Verarbeitungen und “Verkunstungen” des Umstandes das wir alle sind, und unser Leben lang tun, sprechen, hüpfen, singen, denken - so eben, wie im Theater.
So kann man durch den Schauspieler, und wie er eher veräussert, als das er nachdenkt (was dem Schreiben gleichkommt) die auf- und ausführende Natur jenes Teils von uns erkennen, dessen wir am bewusstesten sind.
Innerlich gut vernetzte Menschen können gut improvisieren, von Tag zu Tag, so wie auf der Bühne - sie bräuchten aber kein Theater, um gute Menschen zu sein.
Und was macht sein Doppelspiel aus dem Schauspieler? Wohl nicht mehr als einen Menschen, mit dem Wahnsinn seines gleichen. Die Frage ist also eher: Aus was macht dieses Doppelspiel einen Menschen? Aus welchen Kreaturen werden, dadurch das sie Schauspieler sind, Menschen? Es sind solche, denen das innere Publikum abhanden kam. Entweder ist es stumm, oder es hat das Theater verlassen, und nur die üblichen Verdächtigen in den Sitzreihen zurückgelassen: den Schlafenden, den Werfenden, oder den Schreienden. Als Reaktion auf einen der drei, um ihn zu wecken oder um zurück zu schreien, spielt der Schauspieler, und als einer dieser drei, denkt er nach.
All dies ist bezeichnend für den Schriftsteller, dessen Schauspieler besser mit seinem unsichtbaren Autor, als seinem nahen inneren Publikum zurecht kommt, somit nur Belangloses aus der Tiefe schöpft und der von den Monologen die er sich auf der Bühne sprechen hört, zwar recht taub geworden aber im gelangweilten Geist seines inneren Publikums zum Erbauen von bewohnbaren Luftschlössern befähigt worden ist.